Leichtes Wachstum: Deutsche Wirtschaft trotzt hohen Energiepreisen und Niedrigwasser
Die deutsche Wirtschaft hat sich im Sommer trotz der hohen Energiepreise und der Transportprobleme wegen des Rhein-Niedrigwassers gut geschlagen: Die Wirtschaftsleistung legte von Juli bis September um 0,2 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag in einer ersten Schätzung mitteilte. Damit ist das Jahr 2026 weiterhin auf Kurs, wirtschaftlich das beste seit 2022 zu werden.
Im ersten Quartal war das BIP um 0,4 Prozent gestiegen. Im zweiten Quartal legte es um 0,3 Prozent zu. In der Folge erhöhten die Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Prognosen für die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands deutlich - zuvor waren sie von mageren 0,5 bis 0,8 Prozent Wachstum über das gesamte Jahr gesehen ausgegangen.
Die Auswirkungen der hohen Energiepreise an den Weltmärkten wegen des Iran-Krieges waren zunächst weniger schlimm als erwartet. Teils profitierten deutsche Sektoren, etwa die Chemie-Industrie, auch davon, dass Konkurrenten in Asien von den Verwerfungen auf den Energiemärkten noch härter getroffen wurden. Die Exporte entwickelten sich ebenfalls überraschend gut.
Für das dritte Quartal hatten Analysten erwartet, dass diese Effekte sich abschwächen. Trotzdem habe der Aufschwung der deutschen Wirtschaft angehalten, stellte am Freitag Timo Wollmershäuser vom Münchener Ifo-Institut fest. Unternehmen in der Elektroindustrie und im Maschinenbau hätten von einer steigenden Auslandsnachfrage profitiert und ihre Exporterwartungen spürbar nach oben korrigiert.
"Dass die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal trotz der hohen Energiepreise erneut gewachsen ist, zeigt, dass sich die Konjunktur in Deutschland langsam aus dem Krisenmodus herausarbeitet", erklärte Christian Breuer, Konjunkturexperte des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. "Angesichts der weiterhin erheblichen Belastungen durch die Energiepreise und das außenwirtschaftliche Umfeld ist das ein positives Signal."
Die Konsumausgaben stiegen laut vorläufigen Erkenntnissen des Statistikamtes im dritten Quartal leicht. Die Investitionen dagegen gingen zurück und auch die in der ersten Jahreshälfte dynamische Entwicklung der Exporte schwächte sich ab. Letzteres sei "nach den beiden sehr starken Vorquartalen zu erwarten und ist für sich genommen nicht bedenklich", erklärte KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher. "Sehr viel problematischer ist der Rückgang der Investitionen."
Auch DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier wandte ein, dass es einen "selbsttragenden Aufschwung" brauche. Derzeit werde das Wachstum von Exporten und staatlichen Ausgaben mittels neuer Schulden getragen. "Entscheidend ist, dass es wieder attraktiver wird, am deutschen und europäischen Standort Deutschland zu investieren und zu produzieren", betonte er.
R. do Carmo--JDB