Personalauswahl in Kitas: Bertelsmann-Studie sieht Verbesserungsbedarf
Eine Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung sieht Verbesserungspotenzial bei der Abstimmung zwischen Kitaträgern und Kitaleitungen insbesondere bei der Personalauswahl. 23 Prozent oder fast ein Viertel der befragten Kitaleitungskräfte gaben an, dass ausgeschriebene Stellen eigentlich unterhalb des in den Einrichtungen benötigten Qualifikationsniveaus lägen, wie die Stiftung am Donnerstag in Gütersloh erklärte.
An der Untersuchung beteiligten sich demnach rund 4800 Leitungskräfte von Kitas. Viele Befragte berichteten, dass bei der Einstellung von neuen Mitarbeitenden insbesondere "Kompromisse" beim Fachwissen (56 Prozent) und bei der Reflexionsfähigkeit (40 Prozent) eingegangen würden. Ein Motiv dafür ist nach Angaben der Studienteilnehmenden demnach unter anderem häufig, das Betreuungsangebot aufrechtzuerhalten.
Nach Einschätzung der Stiftung legen die Ergebnisse der Studie von Experten der Universität im hessischen Gießen nahe, dass es zwischen Kitaträgern und Kitaleitungen bei der Abstimmung zur Personalauswahl "oft zu Unklarheiten und Widersprüchen" kommt. Dies gelte etwa auch für die Zuständigkeiten bei Entscheidungen über Einstellungen. 62 Prozent der Leitungskräfte berichteten, dass der Kitaträger dies allein ihnen überlasse. Dabei seien die Kitaträger rechtlich verantwortlich.
Kitas werden in Deutschland unter anderem von öffentlichen Trägern wie Kommunen betrieben, oft auch von Wohlfahrtsverbänden oder Kirchen. Auch Elterninitiativen oder privatwirtschaftliche Unternehmen tun dies aber.
"Die Verantwortung der Kitaträger endet nicht mit der Besetzung einer offenen Stelle", erklärte Bertelsmann-Bildungsexpertin Annette Stein zu den Ergebnissen der Untersuchung. "Sie müssen gemeinsam mit den Kitaleitungen sicherstellen, dass neue Mitarbeitende fachlich ausgewählt, gut eingearbeitet und auch nachqualifiziert werden." Nur so könnten die Beschäftigten die notwendigen pädagogischen Kompetenzen erwerben.
Laut Stiftung wünschen sich viele Kitaleitungen eine aktivere Rolle der jeweiligen Träger. Diese sollten deshalb die Einstellung, Einarbeitung und Qualifizierung von neuen Mitarbeitenden enger begleiten und mehr Zeit für den Dialog mit den Leitungskräften einräumen, hieß es. Die Politik könne dazu beitragen, indem sie Zuständigkeiten von Kitaträgern rechtlich klarer definiere. Auch mehr bundeseinheitliche Standards und eine "solidere Finanzausstattung" für die Kitaträger seien notwendig.
M. Andrade--JDB