Donau-Niedrigwasser: Rumänien fährt einziges Akw des Landes herunter
Wegen historisch niedriger Pegelstände der Donau ist das einzige Atomkraftwerks Rumäniens am Donnerstagmorgen heruntergefahren worden. Nach der Abschaltung des ersten Reaktors des Atomkraftwerks Cernavoda Ende Juli müsse "aufgrund des erheblichen und anhaltenden Rückgangs des Wasserstands der Donau" nun auch der zweite Reaktor heruntergefahren werden, teilte das staatliche Atomenergieunternehmen Nuclearelectrica mit. Das Atomkraftwerk benötigt das Wasser der Donau zum Kühlen.
"Wir rechnen nicht damit, dass der Betrieb in den nächsten zehn Tagen wieder aufgenommen wird", sagte Akw-Direktor Romeo Urjan der AFP. Es ist das erste Mal seit einer Dürre im Jahr 2003, dass das Akw vollständig heruntergefahren wird. Damals wurde der Betrieb für mehrere Wochen eingestellt.
Die rumänische Regierung hatte die jetzige Abschaltung zuvor angekündigt. Das Akw steht gewöhnlich für etwa ein Fünftel der rumänischen Stromproduktion. Alternativen wie die Windkraft und Importe sollen nun den Strombedarf decken, das rumänische Energieministerium hat zu einem "verantwortungsvollen Verbrauch" aufgerufen.
Als letzten Ausweg werde es bei Bedarf in den Abendstunden Einschränkungen beim Verbrauch für große Industriekunden geben, warnte das Ministerium. Anfang August hatte die rumänische Regierung bekanntgegeben, dass die Autobauer Dacia und Ford ihre Produktion wegen des Stromdefizits in dem Land bis zum 19. August pausieren würden.
Ursprünglich sollte der zweite Reaktor bereits vor rund zwei Wochen heruntergefahren werden. Doch unter anderem durch Ausbaggerungen konnte vorerst weiter Wasser aus der Donau zum Kraftwerk geleitet und die Abschaltung so verzögert werden. Im Bemühen, den Flusslauf umzulenken, wurden unter anderem auch ein Fels gesprengt und vier mit Steinen beladene Kähne im Fluss versenkt. Die Kosten der Maßnahmen werden auf mehr als zwei Millionen Euro geschätzt.
Der Wasserstand der Donau ist unter anderem wegen geringer Niederschläge und mehrerer Hitzewellen auf historische Tiefstände gesunken. Experten zufolge verschärft der menschengemachte Klimawandel Dürren.
Auch das Nachbarland Ungarn ist betroffen. Der Betrieb des einzigen Atomkraftwerk Paks, das auch vom Donauwasser gekühlt wird, wurde Ende Juli gedrosselt. In Erwartung weiter sinkender Pegelstände hatte der ungarische Ministerpräsident Peter Magyar am Mittwoch erklärt, dass die Regierung den Bau einer Art Unterwasserbarriere oder Wehr angeordnet habe, um die Strömungen nahe des Akws zu kontrollieren. Auch wurden zwei 80 Meter lange Kähne in der Nähe stationiert, die versenkt werden könnten, um den Wasserstand zu erhöhen.
In Deutschland stellt das Niedrigwasser vor allem am Rhein die Binnenschifffahrt vor große Probleme, da die Schiffe deutlich weniger Ladung transportieren oder sogar gar nicht mehr fahren können. Der Verband der Binnenschiffer erwartet, dass im Laufe dieser Woche der Rhein nicht mehr durchgängig befahrbar sein wird.
V. Duarte--JDB