Airbus verlangt Schlüsselrolle bei Europas nächstem Kampfflugzeug
Nach dem Scheitern von FCAS sucht Deutschland Partner für ein Kampfflugzeug der sechsten Generation. Airbus-Verteidigungschef Michael Schöllhorn fordert einen substanziellen deutschen Industrieanteil und nennt Großbritannien, Italien und Schweden als Optionen.
Airbus Defence and Space dringt bei der Neuordnung der europäischen Kampfflugzeugprogramme auf eine führende Rolle für die deutsche Industrie. Spartenchef Michael Schöllhorn warnt davor, weitere amerikanische F-35 zu beschaffen, ohne zugleich die industrielle Basis für einen europäischen Jet der sechsten Generation zu sichern. Für Deutschland gehe es um technologische Souveränität, Entwicklungsbudgets und mehrere tausend Arbeitsplätze.
Das mit Frankreich und Spanien geplante Future Combat Air System ist nach dem Streit mit Dassault gescheitert. Damit stehen für Berlin vor allem zwei Kooperationsrichtungen im Raum: ein Anschluss an das britisch-italienisch-japanische GCAP-Programm oder eine neue Partnerschaft mit Schweden und Saab. Schöllhorn betont, Airbus habe mit Saab stets gut zusammengearbeitet. Bei GCAP sei Deutschland zwar spät dran, müsse wegen eines voraussichtlich hohen finanziellen Beitrags aber einen fairen Anteil erhalten.
Ein fairer Anteil bedeute nach seinen Angaben nicht bloß einzelne Bauteile. Airbus beansprucht Mitsprache und Entwicklungsarbeit unter anderem am Rumpfmittelteil, an Flugsteuerung, Avionik, Cockpit, Sensorik, Tarnkappentechnik, Vernetzung und Triebwerk. Schöllhorn hält eine Entscheidung bis zum Jahresende für erforderlich, weil besonders Japan angesichts der Bedrohung durch China auf Tempo dränge.
Der Manager stellt die weitere F-35-Beschaffung nicht grundsätzlich infrage. Für die nukleare Teilhabe sei die erste deutsche Bestellung mangels eigener Alternativen notwendig gewesen. Zusätzliche Bestellungen könnten jedoch die Stückzahlen für eine europäische Entwicklung so weit reduzieren, dass sich der Einstieg für Airbus nicht mehr lohne. Wenn Deutschland weniger als 100 Flugzeuge der fünften und sechsten Generation aus europäischer Produktion benötige, sei das industrielle Geschäftsmodell aus seiner Sicht kaum tragfähig.
Als Übergang bis zu einem bemannten System ab etwa 2040 schlägt Schöllhorn eine Kombination aus modernisierten Eurofightern und Begleitdrohnen vor. Airbus arbeitet mit dem US-Hersteller Kratos an der Valkyrie. Ihr erster europäischer Testflug sei erfolgreich gewesen. Das Unternehmen will das Missionssystem MARS und damit die Datenhoheit in Deutschland halten. Wegen der kurzen Frist bis 2029 sei eine bereits erprobte amerikanische Plattform nötig.
Parallel entwickelt Airbus die größere europäische Drohne Ravenstorm. Sie soll mit sieben bis acht Tonnen andere Reichweiten, Waffen und Aufgaben abdecken als die etwa drei Tonnen schwere Valkyrie. Schöllhorn rechnet künftig mit weniger bemannten Flugzeugen und mehreren unbemannten Begleitern, nennt beispielhaft ein Verhältnis von eins zu vier. Piloten blieben dennoch wichtig, wenn elektronische Störungen, Täuschung oder unvollständige Daten Entscheidungen im Gefecht erschwerten.
Zur Ukraine sagte Schöllhorn, Europa könne schrittweise Aufgaben übernehmen, die bislang die USA erfüllten, aber noch nicht sämtliche Lücken schließen. Deutschland entwickle Fähigkeiten zur Aufklärung und Abwehr ballistischer Raketen. Er bezeichnete den ukrainischen Widerstand zugleich als Zeitgewinn für Europas eigene Abschreckung.
Für den Militärtransporter A400M erwartet Airbus neben einer möglichen deutschen Nachbestellung von 16 Maschinen weitere Nachfrage. Auch ältere deutsche Flugzeuge könnten an Partnerstaaten abgegeben werden und damit langfristigen Bedarf an Wartung und Ersatzteilen schaffen. Das Unternehmen geht nach Schöllhorns Worten davon aus, die Produktion mindestens bis 2030 aufrechterhalten zu können.
M. Silva--JDB