Studie: KI-Chatbots können Sanktionen gegen russische Medien umgehen
Zahlreiche KI-Chatbots wie ChatGPT oder Gemini können einem Bericht zufolge EU-Sanktionen gegen russische Medien umgehen und ermöglichen Zugang zu deren Inhalten. Wenn die Chatbots einen entsprechenden Auftrag bekämen, führten sie diesen aus ohne geltende Verbreitungsverbote zu berücksichtigen, heißt es in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht der Organisation Reporter ohne Grenzen. So könnten sich Nutzer etwa Inhalte von Medien wie "Russia Today" oder "Sputnik" anzeigen lassen, die in der EU verboten sind. Die EU-Sanktionen umfassen dabei ausdrücklich auch Onlineinhalte.
"Die Tests zeigen, dass Chatbots, von wenigen Ausnahmen abgesehen, die europäischen Sanktionen wirksam umgehen können", betonte die Organisation. "Unter solchen Bedingungen erreichen die von der EU beschlossenen Sanktionen ihr Ziel nicht", hieß es weiter. Reporter ohne Grenzen fordert daher eine bessere Regulierung der KI-Chatbots.
Die Tests bestanden unter anderem darin, Chatbots um eine Presseschau russischer Medien zu bitten. Einige der getesteten Modelle meldeten, dass die gewünschten Websites blockiert seien, fanden die gewünschten Inhalte aber auf Umwegen, etwa über russische Onlinenetzwerke.
Das Unternehmen OpenAI, das den Chatbot ChatGPT entwickelt hat, erklärte, es nehme den Bericht ernst und gehe den Vorwürfen auf den Grund.
Nur ein einziger von mehreren getesteten Chatbots respektierte nach Angaben des Berichts die Sanktionen: Meta AI, der etwa bei Facebook, Instagram und Whatsapp zur Verfügung steht, habe die Anfragen mit dem Hinweis beantwortet, dass dies derzeit nicht möglich sei. "Dies zeigt, dass sich auch ein Chatbot an Regeln halten kann", betonte Reporter ohne Grenzen.
Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg hatte im Juli geurteilt, dass auch auf kostenlos zugänglichen Websites keine Videos von "Russia Today" verbreitet werden dürfen.
X. Teixeira--JDB