Analyse: Lebenserwartung bei Renteneintritt oft höher als angenommen
Die Lebenserwartung der Deutschen zum Zeitpunkt des Renteneintritts wird häufig unterschätzt. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Mittwoch in Wiesbaden veröffentlichte Analyse des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BIB). Demnach erreichen die aktuell 65-Jährigen wohl ein höheres Lebensalter, als ihnen bislang prognostiziert wurde. Bisher liegt die Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren für Frauen noch bei 21,2 Jahren, bei Männer sind es 18,2.
Laut BIB ist allerdings bereits zu spüren, dass diese Prognosen zu kurz greifen und damit die tatsächliche Rentendauer unterschätzt wird. "In den letzten Jahrzehnten haben 65-Jährige im Durchschnitt fast durchgehend länger gelebt, als die zum Renteneintritt ermittelte Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren auswies", erklärt der wissenschaftliche BIB-Mitarbeiter und Mitautor der Analyse, Michael Mühlichen.
In einigen Jahrgängen sei es etwa zu Zugewinnen von eineinhalb bis zwei Jahren gekommen, vor allem bei jenen, die zwischen 1980 und 2003 ihren 65. Geburtstag erreichten. Dies sei etwa durch erhebliche medizinische Fortschritte bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erklären, erklärte das BIB.
Bei den aktuellen Renteneintritten sei ebenfalls mit einer bis zu zwei Jahre längeren Rentendauer zu rechnen. Künftig werde die Lebenserwartung wohl weiter steigen, erklärte das BIB. Grund dafür sei das große Potenzial für medizinische Fortschritte bei der Behandlung von Krankheiten im Alter.
Die Analyseergebnisse sind laut BIB auch ein relevanter Aspekt für die Planung der Rentenpolitik. Anders als Deutschland koppelten Staaten wie Dänemark oder Italien das Renteneintrittsalter bereits an die Lebenserwartung.
Die Unterschätzung der restlichen Lebenserwartung betrage in Deutschland zwar selten mehr als zehn Prozent, erklärte das BIB. Doch sei die Lebenserwartung der 65-Jährigen sei damit belastbar genug, um als Bezugsgröße für eine Kopplung an den Renteneintritt zu dienen.
C. Marques--JDB